• Grischtin

Zäune kommen und gehen - kleine Zaunphilosophie

Aktualisiert: Sept 14

Sehr gut habe ich diesen Tag vor

Augen, als ich meinen Mann mit eindringlichem Blick bat, respektive wohl mehr befahl: "Jetzt brauche ich SOFORT einen Zaun im Garten, und zwar einen, den ich abschliessen kann!!" Grund dafür war ein unterdessen 1.5-jähriger Dreikäsehoch namens Manoel, der zunehmend mobiler und entdeckungsfreudiger geworden war. Damit ich nebst seiner Abenteuerlust, die leider den Begriff noch nicht kannte, wo die unsichtbaren Grenzen seines Abenteuerlandes waren, meinen haushalterischen Pflichten nachkommen konnte, war dieser Zaun überlebenswichtig für mich.


Schnell stellte sich heraus, dass das kleine Bürschchen schon recht clever war und das Schloss, an der Innenseite befestigt ("ich hatte dir doch gesagt, dass müsse auf der Aussenseite sein, gsesch itz", die Frau besserwisscherisch zu ihrem Geliebten), im nu leider öffnen konnte. Also musste eine zusätzliche Sicherung her, die schliesslich ihren Höhepunkt in einem um das Gartentor zusätzlich gewickelten Seil fand. Irgendwann war der Kleine dann glücklicherweise im Stande, die imaginären Grenzen seines Entdeckungslandes zu begreifen, doch da waren bereits ein neuer Abenteurer und eine neue Abenteurerin auf vier Beinen unterwegs. Nun wurde es erst recht kompliziert. Der Grosse durfte zwar "aus dem Gehege", wusste ja, wie das Gartentor zu öffnen war, nur die Sache mit dem wieder schliessen war mitunter im kindlichen Eifer schnell vergessen. Zum Glück hatte das Tor diesen unvergesslichen Quietschton, welcher mich jeweils zu einem weltrekordverdächtigen Sprint veranlasste, um den Entdecker auf vier Beinen, welcher natürlich seinem grossen Idol sofort hintendrein gekrabbelt war, wieder in das für ihn befugte Reich zurück zu bringen. Was folgte, waren natürlich herzzerreissende Szenen von einem am Gartentor hängenden, aus voller Lunge schreienden Kleinkind. Einerseits war das nicht sehr entspannend für die mütterlichen Nerven, andererseits wollte der Grössere nach gefühlten 10 Sekunden wieder "rein" - Fazit, hin und her und raus und rein - da kann man sich vorstellen, dass die besagten haushalterischen Pflichten doch schwer auszuführen waren. Schliesslich endete das Ganze darin, dass die Sicherung zwar gut genug war, um das Gartentor nicht öffnen zu können, man unterdessen aber gross genug war, um über den Zaun zu klettern - respektive zwischendurch mittendrin hängen blieb. So war der "unbedingt dringend nötige Zaun" in der Praxis zwar praktisch, doch nicht ohne Tücken!


Und jetzt, gestern, haben wir ihn beerdigt! Er ist weg und damit irgendwie auch ein Lebensabschnitt zu Ende. Es hat zwar durchaus noch unternehmungslustige Kleinkinder im Haus,aber mit der riesigen Kinderschar ist es defintiv illusionär zu glauben, das Tor schliesse sich jeweils hinter jedem der 11 Kinder sodann wieder. Also besser die kleinen Cracker der Obhut der Eltern, als jener des Zauns anvertrauen.


Aber unsere eigenen Kinder sind definitiv dem Alter entwachsen, wo Zäune eine abschreckende Wirkung hatten oder dazu animierten, bezwungen zu werden - zumindest Zäune, die nicht mehr als einen Meter Höhe aufweisen.

Die Reaktion unserer Kinder war herrlich: "Das sieht ja richtig komisch aus, so ohne Zaun." Ach ja genau, sie können sich gar nicht mehr daran erinnern, dass da mal keiner war, respektive war der einfach immer schon da, ihr ganzes bisheriges Leben lang.


Mich dünkt, es spiegelt gut unsere Situation hier oben: wir sind immer wieder im Fluss, bauen eigentlich ständig weiter und um, ganz der jeweiligen Lebenssituation entsprechend. Und unsere irgendwann erwachsenen Kinder oder wer auch immer dieses Haus einmal übernehmen wird, wird wieder weiter umbauen, umgestalten, neu machen. Wird vielleicht denken "Wie konnten sie das nur so und so machen - so altmodisch, oder unpraktisch" und irgendwann wird vielleicht unsere süsse kleine Tochter zu ihrem Geliebten sagen: "Schatz, wärst du so nett, und könntest mir einen Zaun bauen im Garten?"


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