• Grischtin

Geschichte Holzmatt

Aktualisiert: Sept 14

Da hat man gute Vorsätze und plötzlich ist mehr als ein Jahr vorbei, seit man das letzte Mal im Blog war. Es ist also an der Zeit, diesen mal wieder aufzumischen.

Schon länger habe ich gedacht, dass ich unbedingt einmal die bekannten Teile der Geschichte unserer Liegenschaft zu Papier bringen will. Für uns und unsere Nachkommen als Erinnerung.

Erbaut wurde unser Haus gemäss Katastereintrag der kantonalen Denkmalpflege ca. um 1760. Der Erbauer war ein gewisser Emanuel von Tscharner, welchem mehrere Liegenschaften in Kehrsatz gehörten, wie zum Beispiel das jetztige Gemeindehaus, der Blumenhof. Anscheinend war Herr von Tscharner ein Visionär seiner Zeit und er wollte hier oben einen fortschrittlichen Landwirtschaftsbetrieb aufbauen. Zu diesem Zweck liess er den im Riegbau gefertigten Bauernhof errichten, mit der "Bel étage" im 1. Stock, was anscheinend aussergewöhnlich war zu dieser Zeit. Ein Indiz für diese "Bel étage" entdecken wir während unserem grossen Umbau, als hinter dem alten Badezimmer plötzlich eine Wand in weiss getünchtem Täfer mit schöner Rondelle auftauchte.

Wer nach dem Herrn von Tscharner den Betrieb übernommen hat, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Irgendwann Ende des 19. Jahrhunderts war ein Junge mit Nachnamen Bögli bei einem Brecht Tschannen Verdingbub auf dem Hof. Entgegen der allgemeinen Annahme hatte er es aber gut getroffen und dieser Herr Tschannen verkaufte dem unterdessen zum Mann herangereiften Bögli den Hof um ca 1930-1940, nachdem der einzige Erbe den Hof nicht wollte, da er einen pensionierten Knecht mitgeerbt hätte und somit auch die Verantwortung für den Knecht hätte übernehmen müssen. Zu dieser Zeit bedeckte anscheinend noch ein Strohdach unser Haus, welches schliesslich durch Eternitplatten ersetzt wurde. Die Böglis verpachteten den Hof an eine Familie Jaggi, welche den Landwirtschaftsbetrieb weiter führte. Eigentlich wollte Herr Bögli selber den Hof dann führen, er vernunfallte aber in den 1950ger Jahren. Ein aufbäumendes Pferd war schuld, dass er vom Bschüttiwagen fiel und querschnittgelähmt wurde. Herr Bögli vermachte darauf den Hof und das darum liegende Land seinen Söhnen, wobei Werner Bögli die Liegenschaften (Holzmattweg 34, Garagen - ehemals Pferdeställe- und Holzmattweg 36) zufielen. Werner verkaufte unser Bauernhaus (Holzmattweg 36) in den 1970ger Jahren schliesslich im Baurecht an seine Freunde Walter und Rosmarie Schmutz zu einem sagenhaften Freundschaftspreis von 10'000.-, jedoch mit einem auf dem Land lastenden hohen Baurechtszins. Das Ehepaar Schmutz sanierte die Wohnung im Bauernhaus und liess aus dem kleinen dazugehörenden Ofenhaus ein schmuckes 3.5-Zimmer-Stöckli errichten. So entstand das Bild, wie sich das Haus heute präsentiert mit den beiden aneinander gebauten Gebäuden, früher durch einen grossen Gang in der Mitte verbunden.

Familie Schmutz wohnte selber nie in der Holzmatt sondern vermietete die beiden Wohnungen sowie die diversen Nebenräume weiter. Nachdem Herr Schmutz verstorben war und Frau Schmutz' Kräfte mit zunehmendem Alter schwanden, entschied sie sich, die Holzmatt zu verkaufen, da auch keines ihrer Kinder daran interessiert war.

In der gleichen Zeit begannen Matthieu und ich, die Fühler langsam nach einer geeigneten Liegenschaft auszustrecken, da wir etwas Geld erben konnten. Drei Wochen bevor die Holzmatt im Internet zum Verkauf ausgeschrieben war, nahm ich im vorbei fahren zum ersten Mal diese wunderschön gelegene LIegenschaft wahr und da ich mir schon immer gewünscht hatte, einmal in einem Rieghaus zu wohnen, dachte ich bei mir selbst, das wäre genau unser Haus, aber so ein schönes Haus verkauft eh niemand. Wie gross das Erstaunen, als genau "mein Haus" drei Wochen später zum Verkauf stand und wir das gleiche Inserat auch noch von einem guten Freund zugeschickt bekamen. So war klar, dass wir uns darum bewerben würden, jedoch immer mit dem Gefühl, dass dies wohl eh nichts werden würde. Aber wie durch ein Wunder wurde ein ums andere Hindernis aus dem Weg geräumt und am 01.01.2008 konnten wir die Holzmatt unser eigen nennen. Ein Geschenk des Himmels, ganz klar für uns. Da das Haus ja vermietet war, mussten wir uns noch etwas gedulden, bis wir schliesslich im Juni 2008 in die Stöckliwohnung einziehen konnten. Wie bereits beim Erwerb des Hauses eins ums andere ins Rollen gekommen ist, lief es schliesslich auch bei der Renovierung. Zuerst machten wir 2009 einen kleinen Umbau in der alten Bauernhauswohnung - Sanierung von Küche und Wohnzimmer.

Immer wenn wir unseren Gästen das Haus mit der riesigen Heubühne zeigten, war unsere Bemerkung:"Irgendwann werden wir dann mal was daraus machen." Dieses Irgendwann kam sehr bald, da zuerst ein befreundeter Architekt ein Gesamtumbauprojekt des Hauses plante und gleichzeitig Verhandlungen mit der Denkmalpflege stattfanden. Von wo wir jedoch das Geld für den Umbau haben sollten, war zu diesem Zeitpunkt noch völlig ungewiss. Doch plötzlich war eine Stiftung bereit, uns ein zinsloses Darlehen zu gewähren und in der Familie taten sich auch Möglichkeiten für

zinslose Darlehen auf, so dass wir im Dezember 2011, nur drei Jahre nach dem Kauf, mit dem Umbau des gesamten Bauernhauses beginnen konnten und 1,5 Jahre später erstrahlte die Holzmatt in neuem Glanz. Nun umfasst die Liegenschaft 5 Wohnungen im Haupthaus und die alte Wohnung im Stöckli, welche sanft renoviert worden ist.

Das Visionäre ist geblieben, nicht mehr die Landwirtschaft steht im Vordergrund, sondern dass Menschen egal welcher Kultur oder sozialer, psychicher oder physicher Verfassung eine Heimat finden können.


Holzmattweg 36, 3122 Kehrsatz

031 832 69 13